03 November 2016

[Rezension] Stefan Schweizer - Berlin Gangstas








"Berlin Gangstas"

Autoren: Stefan Schweizer
Preis: 14,99 €
Einband: Taschenbuch
Genre: Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl: 450 Seiten
Veröffentlichung: 01.08.2016
Verlag: Schwarzkopf Verlag




Dunkle Machenschaften auf Kosten der Ärmsten, organisierte Kriminalität und Korruption sind die Kernthemen von BERLIN GANGSTAS.»Wir schaffen das!«, sagen Kolja und Kemal ebenso wie die deutsche Kanzlerin und meinen das Schleusen von Flüchtlingen aus den Armenhäusern der Welt nach Deutschland.

Ihnen geht es mit ihrem Unternehmen KOKE nicht nur um Profit, sondern sie wollen den Ärmsten dieser Welt helfen, um ihrem eigenen Leben einen Sinn zu verleihen. Dann erpresst sie der brutale Clanchef. KOKE soll zusätzliche Waren wie Kinderprostituierte, Crystal Meth und Drohnenabwehrwaffen schmuggeln. Doch Kolja und Kemal lassen sich zu nichts zwingen. Ein offener Krieg droht in Deutschlands Hauptstadt, in dem es nur Verlierer geben kann.

Quelle: Amazon



Vorab möchte ich mich bei Stefan Schweizer und dem Schwarzkopf Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplares bedanken.

Ich hatte mich sehr auf den Roman gefreut, da ehr doch Themen ansprach die ungerne in der Gesellschaft wiedergegeben werden oder kurz gesaugt unter den Teppich gekehrt werden. Die Kurzbeschreibung verhieß Action pur, doch bereits nach dem 1. Kapitel flaute für mich die Geschichte sehr schnell ab. Bin ich etwa schon so abgestumpft? Lassen mich Kinderprostitution, Waffenhandel und Gewalt kalt? Ganz bestimmt nicht, aber es fehlte mir oftmals Kleinigkeiten.

Die Geschichte um Kolja und Kemal fand ich sehr interessant, wie sie sich allerdings kennen lernten, war mir ein Rätsel. Denn Ort und Art waren mir doch zu befremdlich. Auch wenn es Freundschaft auf den 1. Blick war, so hätte mir eine andere Location besser gefallen bzw. auch eine andere Art. Der Zufall lässt da gewöhnlich viel Spielraum. Das Geschäft, das die Beiden führen nennt sich KOKE ( KOlja und KEmal) und sie bieten Menschen die aus ihren Ländern flüchten wollen einen komfortablen Transport nach Deutschland. Kurz gesagt, sie sind Schleuser. Doch das sind andere auch und einen Teil vom Kuchen wollen die wenigsten abgeben, also sollen Kemal und Kolja für ein Clanmitglied arbeiten. Was jedoch garnicht in ihr Gerechtigkeitsbild passt. 

Kemal ist Türke, Kurde und Deutscher, ein mittlerweile normaler Mix in Deutschland. Er ist der Gute bei KOKE, der alles immer erst ruhig angehen lassen will. Nach Angaben des Buches ist er ein schmucker Mann,besonders auf seine Augen ist er stolz.

Kolja dagegen ist Russe und macht einem Schrank alle Ehre. Er liebt das teure, egal ob dies Drogen, Alkohol oder Klamotten und Schmuck sind. Er ist leicht aufbrausend und hat sich manchmal nicht so ganz unter Kontrolle. Trotzdem stehen die Mädels auf ihn, was aber auch daher kommen kann das er gerne mit Scheinen um sich wedelt.

Die Nebenfiguren sind vielschichtig und aus verschiedenen Berufszweigen. Was an sich nicht schlecht ist, mir aber doch manchmal zu wenig war. Gerne hätte ich die gesamte Geschichte von Paul dem Polizisten gehört oder die von Apostel dem Clanmitglied. Denn ich hätte jedes Kapitel aus dem Blickwinkel einer anderen Person geschrieben um den Leser ein Gefühl von Tiefe zu geben. 

Ich kenne mich nicht mich Drogen aus und nahm auch nie welche, aber die Menge die sich Kemal, Kolja oder auch Paul rein ziehen ließ mich doch hellhörig werden. Denn die Menge war doch garantiert tödlich. Alle paar Zeilen wird eine Line gezogen oder etwas eingeworfen und mit einem guten Schluck Wodka runter geschluckt. Es kam mir irgendwann sehr suspekt vor.

Richtige Gangsta sind Kemal und Kolja am Anfang und am Ende, dazwischen waren sie mir fast zu lahm. Was wohl auch an der eigenartigen Erpressung liegt, in der es um das Leben von Kemal´s Schwester geht. Auch die Beschreibungen von Zuständen die im Buch oftmals durch Punkte (....) oder Querbalken (/) beschrieben werden, gingen zumindest mir sehr schnell auf die Nerven weil sie mir das Gefühl gaben, das ich das Geschriebene nicht verstehe.

Die Idee vom Buch fand ich sehr gut, denn wer kann schon behaupten zu wissen wie Flüchtlinge in unser Land kommen. Allerdings haperte es mir zu sehr an den Beschreibungen und Details, was gerade den Mittelteil für mich etwas zu sehr in die Länge zog.

Die Schreibweise ist angenehm und bringt einen Hauch Humor mit. Wer also mal etwas anderes lesen will, darf sich hier gerne bedienen.